Die Kunststoffverarbeitung ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Industrie und zählt zugleich zu den Wirtschaftszweigen, die von konjunkturellen Schwankungen besonders unmittelbar betroffen sind. Eine aktuelle Umfrage von Close Brothers Factoring unter 200 kunststoffverarbeitenden Betrieben zeigt, dass die vergangenen zwölf Monate für viele Unternehmen mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden waren. Vor allem steigende Kosten sowie ein zunehmend herausforderndes Zahlungsverhalten auf Kundenseite setzten die Liquidität teilweise stark unter Druck.

Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage dargestellt und eingeordnet. Sie zeigen, welche Entwicklungen die Branche zuletzt besonders geprägt haben.

1. Liquiditätsengpässe: Für viele Kunststoffverarbeiter „kritisch“

Angesichts der derzeit angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland überrascht es kaum, dass 91 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Liquiditätsengpässe verzeichneten. 83 Prozent der davon betroffenen Betriebe bewerteten diese als eher kritisch (65 Prozent) oder sogar als sehr kritisch (18 Prozent).

Hochgerechnet auf alle Befragten und damit auf die gesamte Branche stellen sich die Ergebnisse wie folgt dar:

  • 16,5 Prozent: sehr kritisch
  • 58,5 Prozent: eher kritisch
  • 15,5 Prozent: eher unkritisch
  • 0 Prozent: völlig unkritisch
  • 9,5 Prozent: keine Engpässe

Liquiditätsengpässe schränken die Fähigkeit der Unternehmen ein, laufende Kosten zu decken, Material zu beschaffen und Zahlungsziele einzuhalten. Zudem werden Investitionen erschwert, da finanzielle Mittel als Liquiditätspolster zurückgehalten werden müssen. Viele Betriebe berichten außerdem von einer erschwerten Planbarkeit sowie von zusätzlichem administrativem Aufwand.

2. Ursachen der Liquiditätsengpässe in der Kunststoffverarbeitung: Hohe Kosten und instabile Zahlungseingänge

Die Umfrage macht deutlich, welche Faktoren die Liquidität besonders stark belasteten. Die von Liquiditätsengpässen betroffenen Unternehmen nannten am häufigsten sinkende Umsätze aufgrund eines Rückgangs in der Nachfrage (28 %), Zahlungsverzögerungen (25 %) und hohe Energiekosten, die nicht oder nur zeitverzögert an die Kunden weitergegeben werden konnten (23 %).
Weitere wichtige Belastungen entstanden durch:

  • Ungeplante Einmalaufwendungen (z. B. Reparaturen oder Steuernachzahlungen)
  • Hohe Personalkosten
  • Umsatzeinbußen durch Lieferengpässe
  • Hohe Transportkosten
  • Zahlungsausfälle

Damit wird ein komplexes Zusammenspiel aus Umsatzentwicklungen, Kostenfaktoren und instabilen Zahlungseingängen deutlich.

3. Forderungsmanagement: Spät oder nicht bezahlte Rechnungen belasten die Liquidität in fast der gesamten Kunststoffverarbeitungs-Branche

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage zeigt, dass die schlechte Zahlungsmoral beziehungsweise die angespannte Liquidität der Kunden nahezu die gesamte Branche finanziell belastete. 99,5 % aller befragten Betriebe waren von Zahlungsverzögerungen oder Zahlungsausfällen betroffen. Lediglich ein Unternehmen von 200 gab an, keinerlei Probleme mit unbezahlten oder verspätet beglichenen Rechnungen gehabt zu haben.
Die Verteilung im Detail:

  • 30,5 Prozent hatten ausschließlich mit Zahlungsverzögerungen zu tun
  • 58,5 Prozent waren von Zahlungsausfällen betroffen
  • 10,5 Prozent erlebten sowohl Verzögerungen als auch Ausfälle

Dass Rechnungen nur verzögert oder gar nicht beglichen werden, stellt insbesondere in Branchen mit hohen Vorfinanzierungsaufwänden wie der Kunststoffverarbeitung ein erhebliches Risiko dar.

4. Reaktionen der kunststoffverarbeitenden Industrie auf die Liquiditätsprobleme

Zur Sicherung oder Verbesserung ihrer Liquidität griffen 82 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten auf mindestens eine zusätzliche Finanzierungslösung zurück. Besonders häufig genutzt wurden:

  • Darlehen von Kreditinstituten
  • Factoring
  • Verkauf von Anlagegütern
  • konsequenteres Mahnwesen, ggf. mit Hilfe von Anwälten und Inkassodiensten
  • Sale-and-lease-back

Diese Entwicklungen verdeutlichen einen klaren Trend: Viele Unternehmen haben ihre Finanzierung inzwischen deutlich diversifiziert und setzen zunehmend auf Instrumente, die kurzfristig Liquidität schaffen und zugleich die Abhängigkeit von klassischen Bankfinanzierungen reduzieren.

Fazit

Die Ergebnisse der Umfrage zur Liquiditätslage unterstreichen die angespannte Situation der Kunststoffverarbeiter in der Vergangenheit deutlich. Dass über ein Sechstel der Befragten von sehr kritischen Liquiditätsengpässen berichtet und knapp drei Fünftel diese als eher kritisch einstufen, verdeutlicht den Ernst der Lage. Positiv zu bewerten ist jedoch, dass viele Betriebe bereits mit unterschiedlichen strategischen Maßnahmen reagierten und verschiedene externe Finanzierungslösungen nutzten, um auch in einem volatilen Umfeld handlungsfähig zu bleiben.