Nachdem bereits die vergangenen zwölf Monate für Unternehmen in der Kunststoffverarbeitung schwierig waren, blicken viele von ihnen mit großen Sorgen auch in die Zukunft. Eine Umfrage von Close Brothers Factoring unter 200 Kunststoffverarbeitern zeigt: Die Erwartung ist, dass die finanzielle Entwicklung angespannt bleibt. Um ihre Stabilität zu sichern und Risiken abzufedern, planen viele Betriebe bereits heute konkrete Maßnahmen, mit denen sie ihre Liquidität im Geschäftsjahr 2026 verbessern können.

Hier sind die zentralen Erkenntnisse unserer Umfrage zu den Erwartungen und Planungen der Unternehmen im Bereich Finanzen.

Liquiditäts-Check: Jeder fünfte Kunststoffverarbeiter erwartet sehr angespannte Lage

Die Mehrheit der Unternehmen geht davon aus, dass ihre Liquidität in den nächsten zwölf Monaten weiter erheblich unter Druck stehen wird. Insgesamt 81,5 % rechnen mit einer sehr angespannten oder eher angespannten Finanzlage.

Die Erwartungen im Überblick:

  • 20 % erwarten eine sehr angespannte Liquiditätssituation
  • 61,5 % rechnen mit einer eher angespannten Lage
  • 18,5 % blicken eher entspannt auf ihre Finanzen
  • 0,5 % erwartet keinerlei Liquiditätsbelastung

Umfrage Kunststoffverarbeitung 2026 - Liquiditätslage - Erwartung

Damit zeigt sich: Nur knapp jedes fünfte Unternehmen in der Kunststoffverarbeitung sieht derzeit eine stabile finanzielle Basis ohne Handlungsbedarf. Die große Mehrheit geht von anhaltendem Druck aus.

Belastungsfaktoren: Forderungen und Umsätze bestimmen die Entwicklung

Gefragt nach den drei größten Belastungsfaktoren für die finanzielle Entwicklung in den kommenden Monaten standen vor allem externe Faktoren im Fokus der Erwartungen. Am häufigsten nannte Unternehmen verspätete Zahlungen von Forderungen, am zweithäufigsten sinkende Umsätze durch Nachfragerückgang.

Die Top-Belastungsfaktoren im Detail:

  • Zahlungsverzögerungen (29,5 %)
  • Umsatzrückgänge durch sinkende Nachfrage (28,5 %)
  • Hohe Transportkosten, die nicht vollständig oder nur verspätet weitergegeben werden können (27 %)
  • Forderungsausfälle (24 %)
  • Hohe Personalkosten (23,5 %)
  • Lieferengpässe und daraus resultierende Umsatzrückgänge (23 %)
  • Hohe Einkaufspreise für Rohstoffe und Vorprodukte (20 %)
  • Hohe Energiepreise (17,5 %)

Die Ergebnisse unterstreichen, wie komplex die Gesamtlage für Unternehmen zurzeit ist. Für viele kommen immer mehr externe Faktoren parallel zusammen, was es immer schwieriger macht, ihre Finanzen zu planen.

Proaktive Maßnahmen: So optimieren Betriebe ihre Finanzen

Auf die Erwartung einer angespannten Finanzlage reagiert der Großteil der Unternehmen proaktiv. 81,5 % der Befragten planen, in den nächsten zwölf Monaten geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Liquidität zu verbessern. Der regelmäßige Verkauf von Forderungen (Factoring) nennen Betriebe als Instrument am häufigsten.

Geplante Maßnahmen zur Stabilisierung:

  • Factoring (37 %)
  • Verkauf von Anlagegütern an Händler oder andere Nutzer (35 %)
  • Sale-and-lease-back bzw. Sale-and-hire-back (30 %)
  • Konsequenteres Mahnwesen, gegebenenfalls mit externer Unterstützung (29 %)
  • Bankdarlehen (28 %)

Umfrage Kunststoffverarbeitung 2026 - Liquiditätsverbesserung - Planung

Die geplanten Aktivitäten zeigen ein klares Muster: Durch den regelmäßigen Forderungsverkauf verringern Unternehmen die Gefahr von Zahlungsverzögerungen und -ausfällen und machen ihre Cashflows planbar. Zugleich erhöhen Kunststoffverarbeiter ihre verfügbaren flüssigen finanziellen Mittel durch den Verkauf von Anlagegütern, die sie entweder nicht mehr benötigen oder die sie anschließend zurückleasen und weiternutzen.

Fazit: Erwartung volatiler Lage – hohe Handlungsbereitschaft

Die Entwicklung in der Kunststoffverarbeitung bis Februar 2027 ist durch ein Spannungsfeld aus verschiedenen volatilen Faktoren geprägt. Schwierigkeiten bei offenen Forderungen, sinkende Umsätze und steigende Kosten, die nur verzögert oder gar nicht weitergegeben werden können, werden die finanzielle Lage der Betriebe belasten. Doch die Branche erhöht ihre Resilienz: Die Bereitschaft ist hoch, aktiv gegenzusteuern und die eigenen Finanzen durch geeignete Instrumente zu stabilisieren.

Unternehmen setzen verstärkt auf Lösungen, um:

  • Liquidität schnell verfügbar zu machen
  • Finanzierung bankenunabhängig zu gestalten
  • Verzögerungs- und Ausfallrisiken bei Forderungen zu reduzieren
  • Flexibilität im operativen Geschäft zu erhalten
  • Handlungsfähig für Investitionen zu bleiben

In einem volatilen Marktumfeld wird professionelles Liquiditätsmanagement damit zu einem Wettbewerbsvorteil für die kunststoffverarbeitende Industrie.